zitat Dass der Tisch immer reich gedeckt ist, versteht sich, zumindest im Westen, von selbst. Es ist kein Geschenk mehr, fĂŒr das man irgendjemandem danken mĂŒsste. Und so essen wir dann auch: Roboterhaft stopfen wir die Nahrung in uns hinein, schauen dabei fern oder lesen in der ans Glas gelehnten Tageszeitung.

Tiziano Terzani

Geschenke Gewahrsein Kultur Nahrung
zitat Die Entwicklung ist ein Dogma; der Fortschritt um jeden Preis ein Befehl, der keinen Widerspruch duldet. Selbst der leiseste Zweifel an der Marschrichtung, an seiner MoralitÀt, seinen Konsequenzen ist in Asien unmöglich geworden.
Hier gibt es nicht einmal die Hippies, die bei uns begriffen hatten, dass am „Fortschritt“ etwas nicht stimmte, und deshalb riefen: „Haltet die Welt an! Ich will aussteigen!“ Und doch ist das Problem da und geht uns alle an. Alle sollten wir uns fragen, ob das was wir gerade tun, unser Leben verbessert und bereichert. Oder haben wir alle durch eine unnatĂŒrliche Deformation den Instinkt fĂŒr das verloren, was das Leben sein sollte, nĂ€mlich hauptsĂ€chlich eine Gelegenheit zum glĂŒcklich sein?

Tiziano Terzani

Befehl Dogmen Entwicklung Fortschritt GlĂŒcklich Handlung Instinkte WidersprĂŒchlich Zweifel
zitat Durch die Harmonie der GegensĂ€tze bleibt die Welt im Lot; durch sie pflanzt sie sich fort; durch sie bleibt sie in Spannung, durch sie lebt sie. Insofern hat es eine gewisse Berechtigung, den Niedergang des Kommunismus zu beklagen, nicht den Kommunismus als solchen, sondern als Alternative, als Gegengewicht. Seit es diesen Gegenpol nicht mehr gibt, befindet sich die Welt in einem großen Ungleichgewicht, und denjenigen, die sich heute auf der Siegerseite wĂ€hnen, fehlt nun die Spannung, die letztlich ihre KreativitĂ€t befruchtet hatte.

Tiziano Terzani

DualitÀt Gegensatz Gegenteil Gegner Harmonie Kommunismus KreativitÀt Politik
zitat Es ist doch seltsam, dass der moderne Mensch Tausende von Dingen erforscht, studiert, sich aneignet, aber ĂŒbers Sterben nichts lernen will. Ganz im Gegenteil. Soweit nur irgend möglich, vermeidet er es, ĂŒber den Tod zu sprechen (es gilt sogar als unschicklich, Ă€hnlich wie frĂŒher die ErwĂ€hnung sexueller Dinge); er verdrĂ€ngt ihn einfach, und wenn dann der vorhersehbare, völlig natĂŒrliche Zeitpunkt da ist, ist er nicht darauf vorbereitet und leidet entsetzlich, klammert sich ans Leben und leidet gerade darum noch mehr.

Tiziano Terzani

Forschen Leben Leiden sterben Tod
zitat Ich wollte nur noch das sein, was mir immer schon am meisten entsprach: ein Forscher. Aber nicht, um die Welt draußen zu erforschen – die hatte ich einigermaßen kennengelernt -, sondern jene Welt, von der die Weisen aller Kulturen schon immer wussten, dass sie jeder Mensch in sich trĂ€gt. Der moderne Mensch denkt immer seltener an diese Welt. Dazu fehlt ihm die Zeit, meist auch die Gelegenheit. Besonders in den StĂ€dten denken wir immer weniger in grĂ¶ĂŸeren ZusammenhĂ€ngen, sondern rennen stĂ€ndig irgendwelchen Details, irgendwelchen Kleinigkeiten hinterher und verlieren darĂŒber den Sinn fĂŒr das Ganze.

Tiziano Terzani

Forschen Innern Kultur Leben Ruhe Selbst Selbstverwirklichung Sinn Stille
zitat Mir ging es vor allen Dingen auch um ein Prozess der Enthaltsamkeit, der Reinigung. Ich sehnte mich danach, all das wieder loszuwerden, mit dem man sich in der Welt unten im Tal so voll stopft und das einen nur ablenkt: Information, WĂŒnsche, Hoffnungen, Unterhaltungen. Dort oben, ohne Strom, ohne Telefon, ohne Zeitungen, ohne irgendwen oder irgendwas, das einzuplanen war, fiel es leicht, ein bisschen auszumisten. Sobald man sich aus der Alltagsroutine löst, stellt man fest, wie wenig einem an innerer Freiheit im tĂ€glichen Leben bleibt und in welch hohem Maße das, was wir ĂŒblicherweise tun und denken, das Ergebnis eingefahrener Verhaltensmuster ist.

Tiziano Terzani

Alltag Entschleunigung GenĂŒgsamkeit Information Innern Kommunikation Prozess Sehnsucht Selbstverwirklichung Stille Verhalten Verzicht
zitat Umgeben war ich ganz von Schönheit, doch der Kerze Schein trennte mich von ihr. Jenes kleine Licht versperrte dem schönen, großen Licht des Mondes den Weg zu mir. In unserem tĂ€glichen Leben wimmelt es von solch kleinen Lichtern, die uns daran hindern, ein grĂ¶ĂŸeres zu sehen. Es ist beĂ€ngstigend, welch enge Fesseln wir unserem Geist angelegt haben. Und ebenso unserer Freiheit. Eigentlich reagieren wir nur noch. Wir reagieren auf das, was uns passiert, auf das, was wir lesen, war wir im Fernsehen sehen, was uns gesagt wird. Wir reagieren entsprechen vorgefertigten gesellschaftlichen und kulturellen Handlungsmustern. Und immer öfter reagieren wir automatisch. Zu etwas anderem bleibt uns keine Zeit. Also nehmen wir den bereits gespurten Pfad.

Tiziano Terzani

Alltag Geschehen Handlung Licht Mond Schönheit